Berliner Ganztagsschulkongress 2016

Berliner Ganztagsschulkongress 2016
„Irgendwie anders. Chancen inklusiver Ganztagschule“- unter diesem Motto fand der Berliner Ganztagsschulkongress 2016 am 27. April statt.

So verwunderte auch nicht, dass die Grußworte etwa von Senatorin Sandra Scheeres, als Videobotschaft eingespielt wurden.

Grußwort von Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Grußwort von Jan-Christopher Rämer, Bezirksstadtrat Neukölln

Grußwort von Martin Hoyer, setllv. Vorsitzender "Der Paritätische"

Grußwort von Dr. Götz Bieber, Direktor des LISUM

Grußwort von Norman Heise, Landeselternsprecher

Grußwort von Maren Wichmann, Deutsche Kinder und Jugendstiftung, Abteilungsleiterin Programme

In der mit ca. 450 Teilnehmenden gut besuchten Aula der Fritz-Karsen- Schule in Berlin-Neukölln eröffnete Anna-Margarete Davis, Leiterin der Serviceagentur „ganztägig lernen!“ Berlin den Kongress, dessen Motto sich wie ein roter Faden durch das gesamte Kongressprogramm zog.

Der Kongresstag war gestaltet wie ein rhythmisierter Schultag an einer gebundenen Ganztagsschule, mit Wahlangeboten, einem Vortragsband, Workshops, einer Lernlounge, Praxisbeispielen und einem Mittagsband mit Mittagessen und Freizeitangeboten. Irgendwie anders als der Klassische Kongress.

Programm Berliner Ganztagsschulkongress 2016

Irgendwie anders war auch der Kulturbeitrag im Rahmen der Begrüßung. Doreen Kutzke stellte sich mit den Worten: „Ich bin auch Schulleiterin – von der Jodelschule Kreuzberg“ vor. Wer hier volkstümliches erwartete, lag falsch. Die Sängerin sang und jodelte zwischen Podium und Diversity-Rad zu elektronischer Musik und aktivierte das Plenum zum stimmgewaltigen Mitjodeln.
Foto: Bulldesign 2016

Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Knigge zum Thema „Inklusion in Deutschland – Ein kurzer Überblick auf Stand und Perspektiven“. Foto: Bulldesign 2016

 

 

 

Im gut besuchten Vortragsband referierte Fred Ziebarth zum Thema „Gelingensbedingungen schulischer Inklusion unter dem besonderen Aspekt der Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt: „Emotionale und soziale Entwicklung““. Er berichtete aus seiner Zeit als Lehrer und Psychotherapeut an der Fläming-Grundschule, der Vorreiterschule in Sachen Inklusion im Deutschland der 1970er Jahre. Ins Zentrum stellte er die Frage danach, wie Schule gestaltet sein muss, damit dort jedes Kind sein kann. Um zu veranschaulichen, wie die sichtbaren Verhaltensauffälligkeiten den Blick auf das Kind und die eigentliche „Katastrophe“ verstellen, aktivierte er die Teilnehmer zu einer systemischen Aufstellung auf der Bühne. Ebenso verdeutlichte er den sogenannten „Wirbelsturmeffekt“. Damit es nicht dazu kommt, dass Spannungen zwischen den Unterstützern wiederum den Blick vom Kind abwenden, ist eine respektvolle Haltung dem medizinischen wie pädagogischen Personal gegenüber, aber vor allem auch die Anerkennung der Eltern unabdingbar. Wichtig für diese Haltung ist auch, dass sich die erwachsenen Begleiter der Kinder ihrer eigenen erfahrungsbasierten Gefühlswelt gewahr sind, so dass es nicht zu einer Projektion der eigenen Biographie auf das Kind kommt. Als Antwort auf seine Eingangsfrage nach der Ausgestaltung einer Schule mit heterogenen Lerngruppen formulierte er abschließend als „Konsequenz“: „Inklusive Schule braucht eine Einheit von pädagogischem, sonderpädagogischem und psychotherapeutischem Wissen als Kern der Ausbildung und als Teil von Beratung und Unterstützung im pädagogischem Alltag“. Foto: Bulldesign 2016

„Gelingensbedingungen schulischer Inklusion unter dem besonderen Aspekt der Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt: „Emotionale und soziale Entwicklung“ - Fred Ziebarth


Nach den vielfältigen, zum Teil sehr intensiven neuen Eindrücken und Erkenntnissen aus Vortragsband und den parallel dazu stattfindenden Workshops und der Lernlounge, konnten die Teilnehmenden ihre Gedanken im Mittagsband reflektieren/ordnen/sortieren oder sich entspannen.

Neben einem Mittagessen, das in von Schüler_innen umgestalteten Klassenräumen der Schule gereicht wurde, nutzten viele Schulteams die freie Zeit um fernab des schulischen Alltags miteinander ins Gespräch zu kommen. Daneben wartete eine vielfältige Bandbreite an Freizeitangeboten auf die Teilnehmenden. Wer sportlich aktiv werden wollte, war in der großen Turnhalle beim Modern Linedance gut aufgehoben. Zu „Saturday Night Fever“ lebte dort das Disco-Feeling der 1970er Jahre

wieder auf. Innere Ruhe finden konnten Interessierte beim Yoga. Wem eher nach kreativer Zerstreuung zu Mute war, der oder die folgte einfach dem herrlichen Duft nach ätherischen Ölen zur Seifenschnitz-Werkstatt.
Fotos: Bulldesign 2016

 


Zu den Themen des Kongresses gab es 2-stündige Vertiefungsangebote in Form von Workshops und Praxisbeispielen.

Subjektives Erleben in heterogenen Gruppen - Übungen zu Anerkennung in pädagogischen Beziehungen // Annedore Prengel (Prof. i. R., Universität Potsdam)

Was sind "inklusive Werte"? // Karin Schreibeis (DKJS)

Dialog mit Eltern und ihrem Kind mit Handicap // Carmen Kikels (Deutsch-Dänisches Institut für Familientherapie)

Das ABC des Schulinternen Curriculums // Christel Schminder (LISUM) und Jörg Schäfer (LISUM)

Kollegiale Hospitation als Beitrag zu einer inklusiven Lernkultur // Jutta Schwenke

Der Index für Inklusion // Sabine Tönnis (FIPP e.V.) und Claudia Vatter (FIPP e.V.)

Die übergreifenden Thmen als Motor der Schulentwicklung? Das Beispiel Nachhaltige Entwicklung/Lernen in globalen Zusammenhängen // Ines Dohnke (LISUM) und Nadine Düppe (LISUM)


Vor dem Tagungsabschluss bei alkoholfreien Cocktails hatten die Schulteams noch einmal die Gelegenheit zusammen zu kommen und sich zu ihren Eindrücken auszutauschen und entlang zweier Leitfragen zu diskutieren.
Foto: Bulldesign 2016

 


Der Kongress wurde von der Serviceagentur "Ganztägig lernen" Berlin zusammen mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft veranstaltet und von LISUM und SFBB unterstützt.

Einen Beitrag über den Kongress finden Sie auch auf dem Portal von ganztagsschulen.org des Bundesministeriums für
Bildung und Forschung (BMBF) unter http://www.ganztagsschulen.org/de/11840.php